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Der GMF stellt sich vor

Presseinformation

Anlässlich seines ersten nationalen Kongresses, der an der Leipziger Universität (27.- 29.3.2008) stattfindet und der dem Motto Qualität entwickeln. Neue Wege in Unterricht und Lehrerbildung verpflichtet ist, stellt sich der Gesamtverband Moderne Fremdsprachen (GMF) der deutschen Öffentlichkeit vor.

Wer oder was ist der GMF?
Der im Jahre 2007 gegründete GMF ist ein Verband der Verbände der Lehrenden fremder Sprachen bzw. von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Zu ihm zählen u. a. der sich neu konstituierende Verband Englisch & Mehrsprachigkeit (E&M), die Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V. (VdF), der Deutsche Spanischlehrer-Verband (DSV), die Fachvereinigung Niederländisch (FN), der Verband Deutsch im GMF, die Vereinigung der Japanischlehrkräfte, der Fachverband Chinesisch (FaCh), dessen Sprache auch die Gastsprache des diesjährigen Kongresses ist. Weitere Sprachenverbände innerhalb des GMF sind in Gründung. Dies betrifft insbesondere Vertretungen für die slawischen Sprachen. Ohne die in Gründung befindlichen Verbände organisiert der GMF zur Zeit zwischen 6000 und 7000 Lehrerinnen und Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Volkshochschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Die Lehrkontexte, für die sich der GMF interessiert, sind ebenso verschieden wie die Zahl der vertreten Sprachen und Sprachengruppen, von denen noch nicht alle einen Vereinsstatus besitzen. Der GMF fördert ausdrücklich die Gründung neuer Sprachenorganisationen unter seinem Dach. Er ist für den Beitritt weiterer Verbände offen.

Zwar ist der GMF ein neuer Verband, doch steht er in langen und guten Traditionen; zunächst des mehr als hundert Jahre alten Allgemeinen Deutschen Neuphilologenverbandes (1886) – eines Zusammenschlusses von Englisch- und Französischlehrern – und seiner Nachfolgeorganisation, des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen; doch auch der inzwischen ebenfalls viele Jahrzehnte zählenden monolingualen Verbände, zuvorderst der VdF (1970), des DSV (1970), von FN (1986), der Vereinigung der Japanischlehrkräfte sowie weiterer. Die Mehrzahl dieser Verbände sind ihrerseits ihren jeweiligen internationalen Organisationen angeschlossen, so die VdF der Fédération Internationale des Professeurs de Français (FIPF), der DSV der Federación Internacional de las Asociaciones de Profesores de Español usw.

Als Mehrsprachenverband ist der GMF Mitglied der Fédération Internationale des Professeurs de Langues Vivantes (FIPLV). Der GMF ist, wie man sieht, sowohl als Gesamtverband als auch über seine Einzelverbände in ein dichtes internationales Netzwerk von Sprachenverbänden eingebunden. Hieraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten zur internationalen Kooperation.

Der GMF versucht, das Bewährte zu bewahren und es mit notwendigen Neuerungen zu verbinden. Seine Struktur antwortet auf die Herausforderungen einer Zeit, welche durch das Zusammenwachsen Europas und die Globalisierung gekennzeichnet ist. Neue Bedingungen erfordern neue Antworten – und eine solche ist der multilinguale GMF.

Der GMF ist viel mehr als eine bloße Arbeitsgemeinschaft von Sprachenverbänden, wie schon in seiner Struktur deutlich wird. So wird der GMF von einem Präsidium geführt, das von Delegierten der im GMF zusammengeschlossenen Verbände gewählt wird, so haben sich die einzelnen Verbände zur regelmäßigen Alimentation des GMF verpflichtet und sehr hohe Hürden für den Fall akzeptiert, dass sie den GMF wieder verlassen wollen. Die Verbände sind eng miteinander durch gemeinsame institutionalisierte Arbeitsgemeinschaften verbunden, die Themen besetzen, welche für die Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts allgemein von Interesse sind, etwa: Sprachenpolitik, Sprachenberatung, Lehrerbildung, Qualitätssicherung, Prüfungsstandards, Mehrsprachigkeitsdidaktik, Action Research usw. Die sprachenübergreifenden Arbeitsgemeinschaften bringen den Wunsch zum Ausdruck, das fachdidaktisch relevante Wissen von der Forschung in die Praxis bzw. von der Praxis in die fachdidaktische Forschung zu transportieren. Sie sind ein wichtiges Mittel zur Qualitätsentwicklung und zur Modernisierung des Fremdsprachenunterrichts.

Programmatische Grundlagen des GMF
Programmatisch sieht sich der GMF der Förderung der Mehrsprachigkeit und der interkulturellen Kompetenz verpflichtet. Er knüpft an eine Tradition an, die in Deutschland auf mehrere Jahrzehnte zurückblickt und an der seine Verbände Anteil nahmen. So formulierten bereits die Homburger Empfehlungen für eine sprachenteilige Gesellschaft in Deutschland und Europa im Jahr 1980 Grundlagen für eine Schulsprachenpolitik, die die Sprachenteiligkeit (in einer Gesellschaft sollen viele Menschen möglichst viele Sprachen verstehen und sprechen können) und die Diversifizierung des Schulsprachenangebots zum Leitprinzip erhob. Bereits die Homburger Empfehlungen weisen den einzelnen Sprachen unterschiedliche und zueinander komplementäre pädagogische Funktionen für den Aufbau einer breiten und diversifizierten individuellen Mehrsprachigkeit zu, und zwar von der Primarstufe bis hin zur Sekundarstufe II. Der Fachverband Moderne Fremdsprachen (FMF) – der wie der DSV, die VdF und die vormalige Fachgruppe Deutsch (jetzt Deutsch im GMF), die FN, aber auch weitere Verbände an der Entstehung des GMF ganz wesentlich beteiligt war – hat zur Weiterentwicklung dieses programmatischen Konzepts durch die Koblenzer Erklärung zur Sprachenpolitik (1993) ebenso beigetragen wie zuvor eine Gruppe von den genannten Sprachverbänden nahe stehenden Wissenschaftlern durch die Vorschläge für einen Erweiterten Fremdsprachenunterricht (1989). Den Unterricht mehrerer Sprachen zusammendenken, aufhören, die Sprachen Rücken an Rücken zu unterrichten und zwischen den Sprachen liegende Synergiepotentiale für das Lernen einzelner Sprachen nutzen – dies sind Orientierungen, die der multilinguale GMF aufgreift. Ziel ist es, das Erlernen einzelner Sprachen effektiver zu machen, indem das Wissen aus unterschiedlichen Sprachen (hierzu gehört auch das Wissen ‚wie man gut lernt’) miteinander vernetzt wird, um so die Zahl der Mehrsprachigen zu erhöhen.

Die hier genannten programmatischen Stationen stehen inhaltlich in sehr engem Bezug zur Sprachenpolitik der Europäischen Union, die sich bekanntlich in zahlreichen Dokumenten für die Förderung der Mehrsprachigkeit der Europäischen Bürger ausgesprochen hat und hierzu ein umfangreiches Förderungsprogramm bereithält. Ihre programmatischen Aussagen lassen sich in die Formel fassen: ‚Möglichst viele Schülerinnen und Schüler bzw. Bürger der EU sollen neben ihrer Muttersprache operable Kenntnisse in (mindestens) zwei weiteren Sprachen der Europäischen Union erwerben/besitzen’. Der GMF stellt mit Bedauern fest, dass Deutschland hier einen erheblichen Nachholbedarf hat, denn hierzulande lernten im Jahre 2005 die Schüler der Sekundarstufe I im Durchschnitt nur 1,2 Fremdsprachen pro Kopf, die Luxemburger hingegen 2,5, die Finnen 2,2, die Niederländer und die Esten 2.0, die Franzosen immerhin 1,5. Auf der Skala der in den EU-Studien gemessenen Staaten bzw. Zonen (Belgien umfasst drei sprachliche Zonen) liegen 18 von 31 vor Deutschland.

Neben der genannten quantitativen EU-Vorgabe des anzustrebenden ‚sprachlichen Minimums’, an der jedes nationale Angebot von Schulfremdsprachen zu messen ist, hat die EU auch Maßstäbe für die Qualitätssicherung auf dem Feld des Lernens und Lehrens fremder Sprachen gesetzt, zu denen sich der GMF ausdrücklich bekennt und die er als für sein Handeln maßgeblich erachtet. In diesem Zusammenhang sei allein der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen: Lernen, lehren und beurteilen (2001) (GeR) genannt, der dem Erlernen moderner Sprachen und der Überprüfung der realen Sprach- und Mehrsprachenkompetenz sowie dem Interkulturellen Lernen wichtige Impulse verleiht. Die Kultusministerkonferenz der Länder in der Bundesrepublik Deutschland hat in den Bildungsstandards für den Mittleren Bildungsabschluss die Kriterien des GeR zu einem wichtigen Instrument für die Qualitätsentwicklung des schulischen (und außerschulischen) Fremdsprachenunterrichts erhoben. Hierzu zählen nicht nur die Deskriptoren der Kompetenzstufen, sondern auch die Ausführungen zum Lehren und Lernen fremder Sprachen.

‚Mehr und besser fremde Sprachen lernen’ – so lautet im Kern das Stiftungsziel des GMF, das im Hinblick auf unterschiedliche Kontexte zu konkretisieren ist.

Aus dem aktuellen Sprachenprogramm des GMF
Doch wie setzt der GMF das Stiftungsziel kurzfristig um?

Der GMF betont, dass es nicht damit getan ist, Leistungsstandards zu beschreiben, um Schule und Unterricht im Allgemeinen zu verbessern, sondern dass grundlegend für die Qualität von heutigem und zukünftigem Fremdsprachenunterricht die Qualität der Lehreraus- und -fortbildung ist.

Er beklagt in diesem Zusammenhang das sehr häufige Fehlen einer qualifizierten fachdidaktischen Ausbildung der Lehrenden in der Ersten Phase der Ausbildung (an der Universität), welche den grundlegenden Kriterien akademischen Unterrichts entspricht: Diese werden durch die Berücksichtung des Prinzips der ‚Einheit von Forschung und Lehre’ sichergestellt, d. h. durch die Existenz fachdidaktischer Professuren. Solche Professuren bzw. solche der Sprachlehrforschung sind unerlässlich für die Hervorbringung qualifizierten fachdidaktischen Nachwuchses, der allein wiederum die berufsfeldbezogene Forschung auf hohem Niveau vorantreiben kann. Dabei ist zu sehen, dass ohne durch empirische Forschung fundierte didaktische Erkenntnisse eine Verbesserung der Praxis inzidentell bleibt. Die Erfahrung lehrt, dass es falsch ist anzunehmen, derlei Forschungen in den Bereichen der Literatur- und Sprachwissenschaft oder aber der Erziehungswissenschaften (ohne Fachbezug) zu erwarten. – Der Mangel führt dazu, dass angehenden Lehrerinnen und Lehren wichtiges Theoriewissen, welches für die Analyse ihrer eigenen beruflichen Praxis unerlässlich ist, vorenthalten bleibt. Der hier ablesbare Vorwurf betrifft die Bundesländer und vor allem die Universitäten in unterschiedlichem Maße.

Ebenso tritt der GMF dafür ein, die gute Qualität der Ausbildung in der Zweiten Phase (Referendariat) zu sichern und weiter zu entwickeln. Er betrachtet Entwicklungen mit Sorge, die auf eine Ausdünnung der Ausbildung in der Zweiten Phase hindeuten.

Der GMF nimmt zu Fragen der Sprach- und Sprachenpolitik im weitesten Sinne Stellung. Dies schließt auch die Rolle von Deutsch als Zweitsprache für Menschen mit Migrationshintergrund oder die der Gastsprachen in der deutschsprachigen Umwelt und Gesellschaft ein.

Schulisches Sprachenlernen hat entscheidende Rückwirkungen darauf, wie Jugendliche als Erwachsene mit fremden Sprachen umgehen, ob und wie sie ihre Mehrsprachigkeit ausbauen, pflegen und mit welchem Geschick sie weitere Sprachen hinzulernen können. Um diese Fähigkeiten grundlegend zu entwickeln, ist die Vermittlung von zwei modernen Sprachen in den Augen des GMF unverzichtbar. In einer eng gewordenen und vernetzten Welt, in der Sprachenkönnen für das berufliche und private Leben an Bedeutung gewinnt, tritt der GMF für die Demokratisierung des Sprachenunterrichts ein. Kurz gesagt: Mehr Sprachen für mehr Schüler und dies nicht nur in den gymnasialen Bildungsgängen.

In diesem Sinne bietet sich der GMF auch als Berater der Politik an. Er hat hierzu aufgrund der Vielzahl der ihm verbundenen Expertinnen und Experten eine hohe Kompetenz.

Der GMF sieht nicht, dass Eltern und Schüler, aber auch erwachsene Lerner hinreichend über die Rolle fremder Sprachen für ein erfolgreiches Leben, über Sprachenfolgen in ihrer Bedeutung für den Aufbau der Mehrsprachigkeit und über die Qualität des Sprachenlernens und -lehrens ausreichend informiert würden. Vor diesem Hintergrund unterstreicht der GMF die Notwendigkeit einer qualifizierten Sprachen- und Sprachlernberatung. Um diese nach transparenten Kriterien voranzutreiben, wird der GMF eine Arbeitsgemeinschaft ‚Sprachen- und Sprachlernberatung’ einrichten. Als eine Art ‚Verbraucherberatung’ soll sie die Mehrsprachigkeit der Bürger befördern.

Last but not least: der vom GMF hergestellte Mehrwert gegenüber den bisherigen Strukturen
Dass der GMF mehr sein will als ein bloßer Zusammenschluss von einzelnen Verbänden, wird auch in einem unübersehbaren ‚Mehr’ an Dienstleistungen deutlich, die der GMF für die Mitglieder seiner Verbände erbringt. Während der multilinguale Verband alten Zuschnitts nur eine einzelne Zeitschrift für alle Sprachen finanzieren konnte (die nicht umfangreicher war als die der einzelnen monolingualen Verbände), beziehen die Mitglieder der GMF-Verbände (weiterhin) die Zeitschrift für ‚ihre’ jeweilige Sprache, z. B. die neuen Perspektiven Englisch bzw. französisch heute, Hispanorama, Nachbarsprache Niederländisch, Chung für Chinesisch usw. Hierneben erhalten alle Mitglieder aller GMF-Verbände einmal im Jahr Die Neueren Sprachen. Die als Jahrbuch konzipierten DNS knüpfen an eine respektable Tradition an: Über ihren Titel führt DNS die älteste, weit über hundert Jahre alte deutschsprachige didaktische Zeitschrift weiter. Was die in Gründung befindlichen Sprachenverbände angeht, so fördert der GMF die Entstehung neuer Zeitschriften.

Über seine Internetseite informiert der GMF über ‚Aktuelles’ auf dem Gebiet des Fremdsprachenunterrichts. Die Seite soll auch ein Forum für den Austausch von Ideen und Projekten rund um das Berufsfeld der Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrer werden. Auch den transversalen Arbeitsgemeinschaften steht die Homepage des GMF zur Verfügung.

Der GMF strebt an, in jedem zweiten Jahr einen nationalen Mehrsprachen-Kongress zu veranstalten. Dazwischen steht seinen Verbänden die Möglichkeit der Veranstaltung sprachenspezifischer Kongresse offen. Selbstverständlich bieten auch unter dem Dach des GMF die monolingualen Verbände ihre bisherigen Dienstleistungen in vollem Umfang weiter.

Unter dem Strich bedeutet auch dies einen erheblichen Zuwachs an Leistungen zugunsten der Mitglieder der GMF-Verbände.

Auch auf Länderebene arbeiten die GMF-Verbände zusammen. Die GMF-Landesverbände, welche sich aus den Vorständen der monolingualen Landesverbände bilden, suchen das Gespräch mit den Kultusministerien und den Entscheidungsträgern. In den Ländern sprechen sie für ‚ihre’ Sprachen insgesamt und veranstalten gemeinsame GMF-Tage.

Als echter Mehrsprachenverband blickt der GMF, wie schon anklang, ‚nach Europa’ und darüber hinaus (was sich schon aus der Existenz von GMF-Verbänden nicht-europäischer Sprachen erklärt). Institutionell kommt dies darin zum Ausdruck, dass ein eigener ‚Europa- Beauftragter’ Mitglied des GMF-Präsidiums ist.

Der GMF ist keineswegs ausschließlich auf den schulischen Lernkontext fixiert, denn er weiß, dass Fremdsprachen lernen und pflegen heutzutage eine lebenslange Angelegenheit ist. Deshalb sucht er auch die Verbindung zu Organisationen, die sich um das Lernen fremder Sprachen im Erwachsenenbereich kümmern. Auch diesen Gruppen bietet er ein Forum für den Austausch und für die Weiterentwicklung der betreffenden Lehr- und Lernbereiche.

Prof. Dr. F.-J. Meißner
Präsident des GMF (bis 2011)